Jan Montyn Collectie

 

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"Augen, die mehr gesehen haben, als der menschliche Blick ertragen kann"

Jan Montyn

Jan Montyn

Jan Montyn wird 1924 in Oudewater in einer orthodox-protestantischen Familie geboren; in dieser großen Familie mit starkem Zusammenhalt verbringt er eine sorglose Jugend.

 

Ausschließlich aufgrund seines Abenteuerdrangs wird er im Zweiten Weltkrieg mit 17 Jahren Mitglied des Jeugdstorms, einer nationalsozialistischen Jugendorganisation in den Niederlanden, und er nimmt an zwei sogenannten Wehrsportlagern in Österreich teil. Um dem Arbeitseinsatz zu entgehen und dem einengenden Umfeld zu entkommen, meldet er sich Mitte 1944 zur Kriegsmarine. In der Ostsee erleidet sein Schiff nach einem Torpedoangriff einen Schiffbruch, den er mit knapper Not überlebt. Er wird zu den Schützengräben in Kurland verlegt und dort verletzt. Nach seiner Rekonvaleszenz wird er an die Front an der Oder geschickt. Dort wird er Zeuge der Bombardierung von Dresden. Als die Russen die Oder überqueren flieht er nach Westen. Schließlich wird er von den Amerikanern gefangen genommen. Es gelingt ihm nach Marseille zu flüchten und er meldet sich dort bei der Fremdenlegion. Nach kurzer Zeit entkommt er und stellt sich in Straßburg. Im August 1945 wird Jan Montyn ins Lager nach Vught gebracht und danach ins Scheveninger Lager Duindorp. Er wird zu drei Jahren Internierung verurteilt: zuerst im Umerziehungslager in Katwijk, später in Nunspeet. Die Wochenenden verbringt er zu Hause in Oudewater oder in den Künstlercafés am Leidseplein in Amsterdam. Im Mai 1948 kehrt er nach Oudewater zurück.

Oudewater ist noch immer zu einengend für ihn. Er meldet sich als Freiwilliger zu den UN-Streitkräften in Korea. Nach einer Ausbildung zum Einzelkämpfer fährt er mit dem Schiff nach Korea. Dies ist sein erster Kontakt mit Südostasien. An der Front wird er verwundet; nach seiner Genesung wird er erneut verwundet. Teilweise gelähmt kommt er in ein Krankenhaus in Tokio. Nach seiner Genesung wird er in die Niederlande gebracht und kehrt nach Oudewater zurück.

Oudewater ist er nun wirklich entwachsen und er beschließt Berufssoldat zu werden: Ausbilder bei der Infanterie. Er ist körperlich stark, aber mental fordern die Kriegserlebnisse ihren Tribut: Er bekommt Wutanfälle. In dieser Zeit beginnt er auch, immer mehr zu zeichnen. Nach einiger Zeit erhält er den Auftrag, ein Museum für das Garderegiment der Grenadiere aufzubauen. Als Museumskonservator führt Montyn ein Doppelleben. Sein zweites Leben wird vom Veranstalten wilder Feste und Orgien und viel Alkohol geprägt. Die Wutanfälle werden schlimmer. Es folgt eine Einweisung in die psychiatrische Klinik in Utrecht. Das ausführliche Aufschreiben seiner Erlebnisse bringt ihn wieder ins Gleichgewicht. Im April 1957 wird er aufgrund von geistiger Instabilität für dienstuntauglich erklärt und aus dem Militärdienst entlassen.

Er lässt sich in Amsterdam am Oudezijds Kolk nieder. Hier führt er ein Leben am Rande und im Freiraum der Kunst. Er freundet sich mit Anton Heyboer an, der ihm seine Radiertechnik beibringt und bei ihm die Liebe zur Radierung weckt. Diese Technik und Ausdrucksform sind Montyn wie auf den Leib geschrieben. Mit Heyboer macht er eine lange Reise durch Frankreich, Spanien und Marokko.

1961 lernt Montyn den jungen Künstler Thom Gerrard kennen. Sie reisen nach Marokko und wohnen und arbeiten neun Monate in Rabat. Nach ihrer Rückkehr in die Niederlande gehen sie wieder getrennte Wege. Kurz nach Montyns erster Einzelausstellung 1963 setzt Thom seinem Leben ein Ende.

Mitte 1963 trifft Montyn Elja Julien. Mit ihr lässt er sich 1964 in der Provence nieder. Eigenhändig baut er eine Ruine zu einem kleinen Haus um. Es gibt kein fließendes Wasser und keinen Strom, aber ein Atelier, in dem er seine ersten Radierungen anfertigt. Sein Farbeinsatz wird prononcierter. Die ersten Radierungsserien entstehen. Es finden Ausstellungen seiner Werke statt. Mit Elja reist er nach Spanien und Marokko, in die Sahara und ins Atlasgebirge. Zusammen mit ihr begleitet Jan als Freiwilliger seinen ersten Kindertransport aus Südkorea. Ende der 60er-Jahre endet ihre Beziehung.

In den folgenden sechs Jahren macht er monatelange Reisen. Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam werden für ihn zur zweiten Heimat. Montyn zieht durch Urwälder, über Hügel und durch Täler am Mekong entlang und über den Mekong hinaus; durch Kriegsgebiet: die Ebene der Tonkrüge, nach Huế, Haiphong, Saigon, Hanoi, die Tunnel von Củ Chi. Er wird Zeuge von Bombardierungen, steht Auge in Auge mit dem Vietcong. All dies geschieht im Wechsel mit dem Rückzug in Tempel und in die Ruhe und Erholung in Bangkok. Unterwegs zeichnet und malt er und in seinem Haus in Frankreich verarbeitet er seine Erlebnisse in Radierungen. Krieg, Bombardierungen, die Opfer, aber auch die Heiterkeit der Tempel, die Mystik der Landschaft und die Hoffnung auf Befreiung sind Themen seiner vielen kraftvollen Radierungen, die in dieser Periode entstehen. Es sind intensive Jahre mit extremen Wechseln: Spannung und Emotionen in Südostasien, hartes Arbeiten in der Provence, das mondäne Leben in Amsterdam und Paris und vielen anderen Städten, in denen sein Werk ausgestellt wird.

Nach dem Fall von Saigon 1975 beschließt Montyn, dass es jetzt genug ist. Er kehrt nach Europa zurück. In Amsterdam trifft er Hi-en Tjia und sie heiraten noch im selben Jahr. Erst zu zweit und später gemeinsam mit ihrer Tochter Carolynne machen sie viele Reisen: Marokko, Korea, Japan, die Philippinen, Thailand, Kambodscha und Indonesien.

In Kambodscha bricht die Zeit der Roten Khmer an. Montyn stellt sich wiederum als Freiwilliger für humanitäre Organisationen zur Verfügung. Illegal und unter dem Deckmantel der Kunst überquert er den Mekong. Durch die Begegnung mit Roumpha, „dem Mädchen der Roten Khmer“ kommt er dicht an diese Bewegung heran. Er ist Zeuge des Flüchtlingsstroms aus Poipet aus den Flüchtlingslagern wie Khao-I-Dang an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha und der Grausamkeit des Folterlagers Tuol Sleng in Phnom Penh. Er sieht die Menschen, die überall den Landminen zum Opfer fallen, in den Urwäldern, aber auch auf den Äckern. Er hilft als Freiwilliger: bei Kindertransporten und Medikamententransporten für Ärzte ohne Grenzen und assistiert bei der Räumung von Landminen. Für Amnesty International kann er dank seiner Kenntnis des Landes häufig Nachforschungen nach Vermissten übernehmen.

Als die Militärherrschaft in Myanmar beginnt und dort ein gravierender Mangel an Medikamenten entsteht, überquert er illegal mit Medikamententransporten die Grenze. Und auch hier wird er mit Flüchtlingsströmen und den Lagern in Mae Sot an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar konfrontiert. Dies ist wiederum eine Zeit des Wechsels zwischen Spannung und humanitärer Hilfe in Kambodscha und Myanmar, Entspannung in Bangkok und dem Familienleben und dem eigenen Werk in Amsterdam und der Provence. Die Zeichnungen und Radierungen, die in dieser Zeit entstehen, haben eine ganz eigene Bildsprache und besitzen eine große und eindrucksvolle Aussagekraft.

In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre kommt Südostasien ein wenig zur Ruhe, aber Montyn reist weiterhin nach Asien und wieder zurück und hat dabei immer Skizzenbuch, Bleistift, Pinsel und Aquarellfarbe im Gepäck. Seine Reiseerlebnisse verarbeitet er zu Hause in Radierungen in der ihm eigenen Bildsprache und mit einer ganz einzigartigen Farbpalette.

Buch 'Montyn'

MONTYN erzählt die unglaubliche Geschichte der Künstlers Jan Montyn.

zu deharmonie.nl

'MONTYN'

Theaterstück über den Menschen Montyn, gespielt von Yorick Zwart; Regie Ludo Hoogmartens.

zu yorick zwart

'Love me or leave me'

Dokumentarfilm von Jan Louter über den Künstler Jan Montyn.

zu filmfestival.nl